Ein weiteres Phänomen, das bei Sektengründern oder politischen Autoren universell ist: Sie schreiben ihre eigene Geschichte so, dass sie makellos erscheinen. Fehler werden retuschiert, Schwächen verschwiegen.
Der Quran jedoch bricht mit dieser Regel auf eklatante Weise. Er enthält Passagen, die den Propheten nicht nur korrigieren, sondern ihn öffentlich tadeln.
Das bekannteste Beispiel ist die 80. Sure (Abasa – „Er runzelte die Stirn“). Der Prophet war gerade in einem intensiven Gespräch mit der Elite von Mekka, in der Hoffnung, sie für den Islam zu gewinnen, als ein blinder, armer Mann ihn unterbrach, um eine Frage zu stellen. Aus menschlicher Ungeduld runzelte der Prophet die Stirn und wandte sich ab – eine Geste, die der Blinde nicht einmal sehen konnte.
Gott jedoch sah es. Und Er offenbarte Verse, die dieses Verhalten kritisierten und für alle Ewigkeit im Quran festhielten.
Warum sollte ein Mann, der den Quran angeblich selbst verfasst hat, Verse schreiben, die ihn selbst für eine kleine Unhöflichkeit tadeln, die sonst niemand bemerkt hätte? Warum sollte er seine eigene Fehlbarkeit dokumentieren und seine Anhänger anweisen, diese Kritik in jedem Gebet zu rezitieren?
Die Antwort ist simpel und zugleich entwaffnend: Er war nicht der Autor. Er war der Übermittler. Er hatte nicht die Autorität, die Botschaft zu filtern, selbst wenn sie ihm unangenehm war.