Mekka zur Zeit des Propheten war ein Handelszentrum, das durch Geldverleih und Wucherzinsen (Riba) florierte. Die Reichen wurden reicher, indem sie die Not der Armen ausnutzten. Ein falscher Prophet, der die Unterstützung der mächtigen Stammesführer suchte, hätte dieses System niemals angetastet.
Doch die Botschaft des Islams erklärte dem Zinswesen den Krieg. Dies ist ein starkes Indiz für die Wahrhaftigkeit der Botschaft: Sie schützte die Schwachen vor der Gier der Starken und bewies eine ökonomische Weitsicht, deren Relevanz wir in den Finanzkrisen der heutigen Zeit deutlicher denn je erkennen.
Geld darf nicht mit Geld „arbeiten“
Der Koran zieht eine scharfe Trennlinie zwischen Handel und Zins. Während Handel Risiko, Arbeit und Warenaustausch beinhaltet, ist Zins das risikolose Vermehren von Geld auf Kosten anderer.
In Surah Al-Baqarah (2:275) wird dieses Prinzip unmissverständlich dargelegt:
„Allah hat den Handel erlaubt und den Zins (Riba) verboten.“
Die Weisheit dahinter ist tiefgreifend: In einem Zinssystem fließt Vermögen automatisch von unten nach oben. Der Islam fordert dagegen ein System, in dem Gewinn und Verlust geteilt werden (Risikoteilung), was zu einer stabileren und gerechteren Wirtschaft führt. Dass ein Mann im 7. Jahrhundert, ohne Studium der Volkswirtschaft, die zerstörerische Kraft des Zinseszinses erkannte und verbot, deutet auf eine Quelle hin, die über menschliche Erfahrung hinausgeht.
Der ultimative Beweis der Aufrichtigkeit: Die Abschiedspredigt
Das stärkste Argument dafür, dass Muhammed (s.a.w.) kein Heuchler war, findet sich in der Art und Weise, wie er dieses Verbot umsetzte. Er verlangte keine Opfer von anderen, die er nicht auch seiner eigenen Familie abverlangte.
In seiner berühmten Abschiedspredigt kurz vor seinem Tod, vor Tausenden von Zuhörern, verkündete er die Abschaffung aller Zinsforderungen aus der vorislamischen Zeit. Er sagte:
„Und der Zins der Jahiliyyah (Zeit der Unwissenheit) ist aufgehoben. Und der erste Zins, den ich von unseren Zinsen aufhebe, ist der Zins von (meinem Onkel) Al-Abbas ibn Abd al-Muttalib. Er ist gänzlich aufgehoben.“ (Überliefert in Sahih Muslim)
Hätte er nach Reichtum für seinen Clan gestrebt, hätte er Ausnahmen gemacht. Stattdessen begann er die Reform bei seiner eigenen Familie. Er strich das Vermögen seines eigenen Onkels, um der Gerechtigkeit willen. Dies ist das Handeln eines Mannes, der einer höheren Wahrheit verpflichtet ist, nicht dem weltlichen Profit.
Von der Gier zur Solidarität
Anstelle von Zinsen etablierte der Prophet Institutionen der sozialen Sicherheit: Zakat (Pflichtabgabe für Bedürftige) und Sadaqah (freiwillige Almosen). Er formte eine Gesellschaft um, in der derjenige, der Geld hat, dem Bedürftigen hilft (durch zinslose Darlehen oder Schenkung), anstatt dessen Notlage zu nutzen, um noch reicher zu werden. Diese radikale ethische Wende in einer kapitalistischen Handelsgesellschaft ist ein lebendiger Beweis für die transformative Kraft und göttliche Herkunft seiner Botschaft.