Eine Welt aus Verbindungen
Muhammad wird um 570 in Mekka geboren. Er gehört zu den Quraisch, dem Stamm, der das Heiligtum der Kaaba betreut. Verwandtschaft bedeutet in dieser Gesellschaft weit mehr als Familiennähe: Sie bietet Schutz, Zugehörigkeit und wirtschaftliche Sicherheit. Mekka lebt auch von Handel und Pilgerfahrten. Neben der Verehrung verschiedener Gottheiten gibt es auf der Arabischen Halbinsel jüdische und christliche Gemeinschaften sowie Menschen, die nach dem Glauben Abrahams suchen.
Die spätere Botschaft entsteht also nicht in einer geschichtslosen Wüste. Sie trifft auf bestehende Überzeugungen, Interessen und Lebensweisen. Die islamische Überlieferung verbindet die Kaaba mit Abraham und Ismael; dieser Bezug wird für Muhammads Sendung grundlegend.
Früh auf andere angewiesen
Sein Vater Abdullah stirbt vor seiner Geburt. Als kleines Kind lebt Muhammad zeitweise bei seiner Amme Halima. Mit etwa sechs Jahren verliert er seine Mutter Amina. Sein Großvater Abd al-Muttalib nimmt ihn auf; nach dessen Tod übernimmt sein Onkel Abu Talib die Fürsorge.
Aus diesen Verlusten lässt sich nicht jede spätere Eigenschaft erklären. Sie gehören aber zu dem Leben eines Menschen, der Schutzbedürftigkeit selbst kennt. Die Fürsorge für Waisen und Menschen ohne starken Rückhalt wird später ein wichtiger Bestandteil seiner Botschaft.
Was wir datieren können
Qadhi weist darauf hin, dass das genaue Geburtsdatum nicht sicher feststeht. Auch der häufig genannte zwölfte Tag des Monats Rabi al-Awwal ist keine unstrittige Angabe. „Um 570“ dient hier der zeitlichen Orientierung, nicht als exakt belegtes Datum.
Zum Weiterdenken: Seine Geschichte beginnt nicht mit Herrschaft oder Reichtum, sondern mit Abhängigkeit, Fürsorge und Verlust.