Ein Ruf wächst im Alltag
Bevor Muhammad als Prophet auftritt, arbeitet er als Hirte und im Handel. Qadhi schildert ihn als einen Menschen, dem andere Verantwortung und Besitz anvertrauen. Sein späterer Anspruch auf Prophetentum tritt damit in eine Lebensgeschichte ein, die seinen Zeitgenossen bereits bekannt ist.
Ein wichtiges Beispiel ist das Bündnis Hilf al-Fudul. Anlass ist ein Händler, dem ein mächtiger Mann seinen rechtmäßigen Erlös vorenthält. Angehörige verschiedener Familien vereinbaren, gegen solche Ungerechtigkeit einzutreten. Muhammad beteiligt sich und erinnert später zustimmend an dieses Bündnis. Für Leser ohne islamischen Hintergrund ist daran besonders verständlich: Gerechtigkeit soll nicht davon abhängen, ob jemand zur eigenen Gruppe gehört.
Khadija: Vertrauen und Partnerschaft
Khadija ist eine Geschäftsfrau, die Muhammad mit Handelsaufgaben betraut. Aus der Zusammenarbeit entsteht eine Ehe. Ihre Unterstützung wird in den ersten Jahren der Offenbarung entscheidend sein. Sie erscheint in dieser Geschichte als handelnde, urteilende und tragende Persönlichkeit.
Ihr genaues Alter bei der Eheschließung ist umstritten. Qadhi bespricht mehrere Angaben; die verbreitete Zahl vierzig wird deshalb hier nicht als gesicherte Tatsache wiederholt.
Einen Konflikt gemeinsam lösen
Beim Wiederaufbau der Kaaba streiten Familien darüber, wer den Schwarzen Stein an seinen Platz setzen darf. Nach der Sirah-Erzählung lässt Muhammad ihn auf ein Tuch legen. Vertreter der beteiligten Gruppen tragen ihn gemeinsam; er setzt ihn anschließend ein.
Die Lösung vermeidet die Demütigung einer Seite. Sie macht anschaulich, was Integrität im Zusammenleben bedeuten kann: Vertrauen nicht nur besitzen, sondern nutzen, um einen Streit zu entschärfen. Die Begebenheit ist eine überlieferte Episode seiner Jugendzeit, keine von uns unabhängig rekonstruierte Augenzeugenszene.