Ein letzter gemeinsamer Weg
Muhammad unternimmt die als Abschiedspilgerfahrt erinnerte Wallfahrt. Viele Menschen begleiten ihn und lernen von ihm die Handlungen des Haddsch, der Pilgerfahrt nach Mekka. Die Verbindung zu Abraham steht dabei erneut im Zentrum des islamischen Verständnisses.
In der bei Qadhi wiedergegebenen Überlieferung Dschabirs betont Muhammad den Schutz von Leben und Eigentum. Er hebt überkommene Blutracheansprüche auf und beginnt dabei mit einem Anspruch aus seiner eigenen Verwandtschaft. Ebenso mahnt er Verantwortung gegenüber Frauen an und verweist auf ihre Ansprüche auf Versorgung und Kleidung.
Diese Punkte sind eine Auswahl aus dem Bericht, keine vollständige Übersetzung der Ansprache. Im Umlauf befindliche Fassungen einer einheitlichen „Abschiedspredigt“ führen häufig verschiedene Überlieferungen zusammen. Hier wird deshalb kein zusammengesetzter Text als wortgetreue Rede ausgegeben.
Der Gesandte ist sterblich
Wenig später erkrankt Muhammad schwer und stirbt in Medina. Seine Angehörigen und Begleiter reagieren mit Trauer; manche können den Verlust zunächst nicht annehmen. Abu Bakr erinnert die Gemeinschaft daran, dass Muhammad gestorben ist, Gott aber lebt. Er verweist auf den Koranvers, der Muhammad als Gesandten in einer Reihe früherer Gesandter beschreibt.
Damit tritt eine zentrale Unterscheidung hervor: Im Islam wird Muhammad geliebt und als Prophet verehrt, aber nicht angebetet. Die Anbetung gilt Gott allein. Der Tod des Propheten beendet sein irdisches Leben, nicht die Verantwortung der Menschen vor Gott.
Ein Leben in einer größeren Geschichte
Die Sirah führt vom schutzbedürftigen Kind über Verfolgung und Auswanderung bis zur Leitung einer Gemeinschaft. Muslime erkennen darin Zeichen göttlicher Führung. Wer sich von außen nähert, kann zunächst die überlieferten Entscheidungen, Beziehungen und Veränderungen betrachten – und verstehen, warum dieses Leben bis heute Bedeutung hat.
Sein Anspruch bleibt mit Abraham, Moses, Jesus und den anderen Propheten verbunden: Menschen zum einen Gott zu rufen und Glauben im Handeln sichtbar werden zu lassen.
Zum Nachlesen
Dschabirs Bericht zur Pilgerfahrt: Muslim 1218a · Muhammad als menschlicher Gesandter: Koran 3:144