Nach Mekka ist die Geschichte nicht zu Ende
Mit der Einnahme Mekkas sind nicht alle Konflikte entschieden. Bei Hunayn gerät die muslimische Streitmacht zunächst in schwere Bedrängnis, bevor sich die Lage wendet. Auch eine große Zahl von Anhängern bedeutet keine automatische Sicherheit.
Die anschließende Verteilung der Beute führt zu Spannungen. Qadhi schildert, wie Muhammad sich den Ansar zuwendet, deren Unterstützung für den Aufbau Medinas entscheidend gewesen war. Der Umgang mit ihren Gefühlen gehört ebenso zur Führung einer Gemeinschaft wie die Entscheidung über äußere Gegner.
Tabuk: eine Expedition ohne Schlacht
Im folgenden Jahr führt Muhammad eine beschwerliche Expedition nach Tabuk im Norden. Hitze, weite Wege und knappe Versorgung belasten die Teilnehmer. Zu einer Schlacht mit einem römischen Heer kommt es nicht.
Qadhi betont, dass der genaue Anlass der Expedition nicht vollständig klar ist, und bespricht verschiedene Erklärungen. Deshalb wird hier weder ein sicher bevorstehender römischer Angriff noch ein militärischer Sieg über Rom behauptet. Die überlieferte Geschichte handelt vielmehr von einer großen Mobilisierung und ihren inneren wie äußeren Folgen.
Begegnungen und neue Bindungen
Delegationen verschiedener Stämme suchen den Kontakt zu Muhammad. Der Einfluss der Gemeinschaft wächst. Dabei wirken religiöse Überzeugung, Bündnispolitik und veränderte Machtverhältnisse zusammen. Nicht jede Begegnung lässt sich auf ein einziges Motiv reduzieren.
Für das Gesamtbild ist diese Phase wichtig: Aus einer bedrängten Gruppe ist eine weithin anerkannte Gemeinschaft geworden. Aus muslimischer Sicht zeigt sich darin die außergewöhnliche Entwicklung der prophetischen Sendung. Historisch erzählt die Sirah zugleich von Überzeugungsarbeit, Verhandlungen, Kriegen und sozialen Beziehungen.
Der Anspruch der Botschaft bleibt dabei auf den einen Gott ausgerichtet. Die wachsende Stellung Muhammads soll im islamischen Verständnis keine Verehrung seiner Person als göttliches Wesen begründen.