Eine Erfahrung, die erschüttert
Muhammad zieht sich zeitweise in die Höhle Hira bei Mekka zurück. Nach der von Qadhi erläuterten islamischen Überlieferung begegnet ihm dort der Engel Gabriel und übermittelt die ersten Verse der späteren Sure 96. Für Muslime beginnt hier die Offenbarung des Korans.
Das arabische „iqra“ wird je nach Zusammenhang mit „lies“ oder „rezitiere“ wiedergegeben. Gemeint ist hier der göttliche Auftrag zur Wiedergabe der Offenbarung. Daraus sollte man nicht ohne Weiteres eine Szene machen, in der Muhammad ein gewöhnliches Buch vorgelegt wird.
Khadija erkennt den Menschen
Muhammad kehrt erschüttert zu Khadija zurück. Sie beruhigt ihn, indem sie auf sein bisheriges Verhalten verweist: seine Fürsorge für Verwandte, Bedürftige, Gäste und Menschen in Not. Die Erzählung zeigt keine selbstsichere Inszenierung eines neuen Herrschers, sondern einen verunsicherten Menschen und eine Frau, die ihn aus gemeinsamer Lebenserfahrung kennt.
Khadija bringt ihn zu ihrem Verwandten Waraqa, der mit christlichen Überlieferungen vertraut ist. Nach dem Bericht erkennt dieser einen Zusammenhang mit der Offenbarung an Moses und kündigt Widerstand gegen Muhammad an.
Eine Botschaft in einer längeren Geschichte
Der islamische Anspruch lautet nicht, dass Muhammad einen neuen Gott einführt. Der Koran stellt seine Sendung in die Reihe von Noah, Abraham, Moses und Jesus. Ihr gemeinsamer Kern ist nach islamischem Verständnis die Hinwendung zu dem einen Gott und die Verantwortung vor ihm. „Allah“ ist das arabische Wort für Gott.
Das bedeutet nicht, dass heutiges Judentum, Christentum und Islam in allen Lehren übereinstimmen. Es erklärt vielmehr, wie der Islam seine eigene Herkunft versteht: als Bestätigung und Erneuerung einer gemeinsamen prophetischen Grundbotschaft.
Zum Nachlesen
Erste Offenbarung: al-Bukhari 3 · Die Reihe der Propheten: Koran 42:13 · Der gemeinsame Ruf: Koran 21:25