Zwei tragende Beziehungen gehen verloren
In einem kurzen Zeitraum sterben Khadija und Abu Talib. Khadija war Muhammads vertraute Partnerin und eine der ersten Stützen seiner Sendung. Sein Onkel hatte ihm innerhalb der Stammesgesellschaft Schutz geboten. Die Überlieferung erinnert diese Zeit als das Jahr der Trauer.
Der Verlust ist persönlich und gesellschaftlich zugleich. Muhammad trauert; zugleich wird seine Lage in Mekka unsicherer. Seine Botschaft hat ihm die Erfahrung von Schmerz nicht erspart.
Die Suche nach einem neuen Rückhalt
In Ta’if sucht er Unterstützung. Die führenden Männer weisen ihn zurück. Nach der Sirah-Darstellung wird er aus der Stadt getrieben und verletzt; Zaid, der ihn begleitet, versucht ihn zu schützen. Die erhoffte neue Möglichkeit endet zunächst in weiterer Not.
Es wäre falsch, diesen Abschnitt nur als Zwischenstation auf einem bereits sichtbaren Weg zum Erfolg zu lesen. Für den Menschen in dieser Situation stehen Ablehnung, Erschöpfung und Ungewissheit im Vordergrund.
Eine andere Zukunft offenhalten
In einem bei al-Bukhari überlieferten Bericht schildert Muhammad später, dass ihm nach dieser Ablehnung ein Engel die Vernichtung seiner Gegner anbietet. Er lehnt dies ab und äußert die Hoffnung, dass aus ihren Nachkommen Menschen hervorgehen, die Gott allein verehren.
Die Engelsbegegnung wird hier als religiöse Überlieferung wiedergegeben. Ihre ethische Aussage ist auch ohne vorausgesetzten Glauben verständlich: Die Zukunft anderer Menschen soll nicht auf den schlimmsten Augenblick ihrer Feindschaft reduziert werden.
Das ist keine Behauptung, Muhammad habe in jeder späteren Lage auf Gewalt verzichtet. Es ist eine konkrete, in der islamischen Erinnerung zentrale Entscheidung gegen Vergeltung nach schwerer persönlicher Verletzung.