Eine gemeinsame Anstrengung
Ein Bündnis feindlicher Gruppen bedroht Medina. Auf den Vorschlag Salmans hin wird an einer gefährdeten Seite der Stadt ein Graben ausgehoben. Die Idee greift auf Erfahrungen außerhalb Arabiens zurück. Muhammad nimmt den Rat an und beteiligt sich nach den Berichten selbst an der Arbeit.
Die Verteidiger leiden unter Hunger und großer Anspannung. Der Graben erschwert den Angriff. Uneinigkeit im gegnerischen Bündnis und widrige Wetterverhältnisse tragen schließlich zum Rückzug der Belagerer bei. Die islamische Überlieferung deutet die Rettung zugleich als Hilfe Gottes.
Der Konflikt mit den Banu Qurayza
Zu dieser Etappe gehört auch eine schwerwiegende Folge, die nicht hinter dem Bild der gelungenen Verteidigung verschwinden darf. Qadhi berichtet, dass die jüdischen Banu Qurayza während der Belagerung ihre Verpflichtungen gegenüber Medina gebrochen hätten. Nach dem Abzug des Bündnisses werden sie belagert und ergeben sich.
Nach der von ihm dargestellten Überlieferung entscheidet Saʿd ibn Muʿadh als Schiedsrichter, dass ihre Männer hingerichtet und Frauen und Kinder in Gefangenschaft genommen werden sollen. Muhammad billigt das Urteil; es wird mit einzelnen Ausnahmen vollzogen. Die Gefangenschaft gehört zum damaligen System der Versklavung von Kriegsgefangenen und darf nicht als bloße vorübergehende Unterbringung verharmlost werden.
Einordnen, ohne zu beschönigen
Qadhi erklärt das Urteil mit dem Vorwurf des Verrats in einer existenziellen Kriegslage und den damaligen Stammesverhältnissen. Das ist die Deutung des verwendeten Buches. Eine solche Einordnung nimmt dem Geschehen seine Härte nicht und ersetzt keine eigenständige Untersuchung der historischen Quellen.
Dieser Konflikt darf außerdem nicht in eine pauschale Aussage über Juden umgewandelt werden. Erzählt wird von einer bestimmten Gruppe in einer bestimmten Kriegssituation. Wer die Sirah verstehen möchte, muss sowohl die gemeinsame Mühe bei der Verteidigung als auch diese belastende Folge der Auseinandersetzung wahrnehmen.