Vor den Toren Mekkas
Muhammad und seine Begleiter wollen eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen. Der Zugang wird ihnen verweigert. Bei Hudaybiyya kommt es zu Verhandlungen mit den Quraisch. Der geschlossene Vertrag sieht unter anderem einen zehnjährigen Waffenstillstand und eine Pilgerfahrt im folgenden Jahr vor.
Einige Bedingungen erscheinen den Muslimen schmerzhaft ungleich. Auch wird Muhammads Prophetentitel auf Verlangen der Gegenseite nicht in die Vertragsformel aufgenommen. Er akzeptiert dies. Besonders schwer wiegt die Verpflichtung, bestimmte aus Mekka geflohene Männer zurückzugeben; die Rückgabe Abu Dschandals macht die menschlichen Kosten unmittelbar sichtbar.
Zuhören und vorangehen
Viele Begleiter sind enttäuscht. Als sie ihre Pilgervorbereitungen beenden sollen, reagieren sie zunächst nicht. Muhammad bespricht die Lage mit seiner Frau Umm Salama. Sie rät ihm, die abschließenden Handlungen selbst vorzunehmen. Er folgt ihrem Rat; die anderen schließen sich an.
Die Episode zeigt praktische Urteilskraft auf beiden Seiten: eine Frau, die eine angespannte Situation versteht, und einen Propheten, der ihren Rat annimmt. Führung wird hier durch Zuhören und Vorbild wirksam.
Frieden mit Mekka, nicht überall Frieden
Qadhi beschreibt den Vertrag als entscheidenden Durchbruch. Der Waffenstillstand schafft neue Möglichkeiten für Kontakte und die Vermittlung der Botschaft. Der Koran deutet ihn in Sure 48 als Erfolg, obwohl er zunächst wie ein Rückzug wirken kann.
Das bedeutet nicht, dass damit sämtliche militärischen Konflikte enden. In der folgenden Phase werden die befestigten Siedlungen von Khaybar erobert. Nach der Darstellung des Buches dürfen Bewohner anschließend gegen Abgabe eines Teils der Ernte weiter Landwirtschaft betreiben.
Die Etappe verbindet deshalb Verhandlung, politischen Wandel und fortdauernde Machtkonflikte. Ihr besonders anschauliches Charakterthema ist die Bereitschaft, einen kurzfristigen Gesichtsverlust für eine längerfristige Vereinbarung auszuhalten.