Ein gebrochener Vertrag
Die neue Lage entsteht nach einem Angriff auf Verbündete Muhammads, bei dem die Gegenseite Unterstützung aus Mekka erhält. Qadhi beschreibt dies als Bruch des Vertrags von Hudaybiyya. Muhammad zieht daraufhin mit einer großen Streitmacht nach Mekka.
Die Stadt, die er Jahre zuvor verlassen musste, steht ihm nun in einer völlig anderen Machtlage gegenüber. Gerade dieser Wechsel macht die Frage nach seinem Verhalten bedeutsam: Wie handelt jemand, der gegenüber früheren Gegnern nun überlegen ist?
Schutz und Amnestie
Es werden Schutzmöglichkeiten angekündigt, unter anderem für Menschen, die in ihren Häusern bleiben. Der Einzug erfolgt überwiegend ohne Kampf, doch in einem Teil der Stadt kommt es zu Gefechten und Todesfällen. Die oft verwendete Beschreibung einer vollständig „blutlosen Eroberung“ ist deshalb zu pauschal.
Muhammad gewährt eine weitreichende Amnestie. Sie gilt allerdings nicht ausnahmslos: Das Buch nennt Personen, gegen die besondere Strafbefehle bestehen; einige werden später begnadigt, andere getötet. Eine Darstellung seiner Vergebungsbereitschaft muss diese Grenzen mitbenennen, statt eine uneingeschränkte Begnadigung aller zu behaupten.
Das Heiligtum und Abraham
Die Götterbilder an der Kaaba werden entfernt. Nach islamischem Verständnis wird das Heiligtum dadurch seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt: der Verehrung des einen Gottes, verbunden mit Abraham und Ismael.
Für Muslime ist dies ein entscheidender Moment der Sendung. Es ist zugleich ein tiefgreifender religiöser und politischer Wandel für Mekka. Beides gehört zur Beschreibung.
Was diese Etappe sichtbar macht: Die Rückkehr wird nicht zu einer allgemeinen Vergeltung an der Stadt. Die weitreichende Schonung früherer Gegner bildet einen wichtigen Bestandteil des islamischen Erinnerungsbilds – ohne dass die realen Kämpfe und Ausnahmen verschwiegen werden müssen.